Wenns läuft, dann läufts – Rothenburger Halbmarathon 2012

Am Sonntag bin ich wie bereits angekündigt beim Rothenburger Halbmarathon an den Start gegangen.

Die Anreise hat aufgrund der der Entfernung von 45 Kilometer etwas länger gedauert, doch war mir der Wettkampfort noch vom Sparkassen Lichterlauf 2011 bekannt, auch wenn der Start am Schrannenplatz, anstatt am Marktplatz war.

Punkt 9:00 Uhr waren wir vor Ort. Als erstes habe ich natürlich meine Startunterlagen geholt. Dort wäre es hilfreich gewesen, wenn irgendwo ein Schild gestanden hätte, dass man ohne Wissen seiner Startnummer, keine Startunterlagen erhält. So musste ich mich und zahlreiche andere Starter, zweimal in die Schlange einreihen.

Das Wetter zeigte sich entgegen der Meldungen im Vorfeld für Läufer sehr gnädig. 16°C, bedecktet und immer wieder leichter Nieselregen. Perfekte Wetterbedingungen für die angepeilte Bestzeit von 1:30 h – Danke Petrus. Meine Begleitung (meine Frau, Sohn und Schwiegermutter) waren beim Thema Wetter naturgemäß anderer Meinung. Des einen Freud, ist eben des anderen Leid.

Leider kann ich keinen Starter beim Rothenburger Halbmarathon, außer Tobias Schneider, der allerdings als Titelverteidiger bei für die 10 Kilometer 20 Minuten nach mir erst startet. Also lief ich mich allein warm.

Ich versuchte die ersten beiden Kilometer der Strecke abzulaufen um einen Eindruck vom gefürchteten Höhenprofil zu bekommen. Doch ohne Streckenposten war dies ein schwieriges Unterfangen, denn die Strecke kreuzte sich gleich mehrfach und ohne Streckenposten kam ich dann leider nicht ganz zurecht.

Zusammen mit 104 Läufern, von denen allerdings nur 94 finishten, ging es um Punkt 10:00 Uhr los. Ich hatte mich in die erste Reihe eingereiht, denn entsprechend der Wettkampfergebnissen, müsste ich unter den Top 10 vielleicht sogar Top 5 laufen können.

Doch es kam anders als erwartet. Nach dem Start ging es für einen Halbmarathon unüblich in einem Affen-Tempo los. Nach 500 Metern fand ich mich auf Platz 25 wieder, obwohl ich selbst eine Pace von 3:50 lief, also 25 Sekunden schneller als geplant. Ich dachte, da werden heute wohl noch einige Einbrechen…

Die Strecke

Ich lief die ersten Kilometer zwar weiterhin in einem eigentlich zu hohem Tempo von 4:00-4:05, doch es fühlte sich gut an und deshalb behielt ich es auch bei. Ein etwas älterer Herr, der mir routiniert erschien und gerade etwa die gleiche Geschwindigkeit lief, als Unterhalter geeignet war und Windschutz bot, lieferte weitere Gründe hierfür. Er war übrigens auch der Meinung, dass sich da vorne einige übernehmen und später einbrechen werden.

Erster nennenswerter Anstieg bei Kilometer 4. Der Anstieg ist zwar lang, aber nicht besonders steil. Die 12 Höhenmeter, auf einer Streckenlänge von 500 Metern verteilt, liefen sich gut, sodass sogar eine Läufersparkommunikation drin war.

Leider trennten sich unsere Wege, als ich mich für das Windschattengeben revanchieren wollte. Wahrscheinlich habe ich das Tempo zu stark erhöht. Jedenfalls lief ich weiter nach vorne und holte eine dreiköpfige Läufergruppe ein und versuchte gleich zur nächsten aufzuschließen.

Bei Kilometer 8 war es dann soweit, eine heftige Steigung lag vor uns. Es ging von 400 Meter auf 430 Meter und das Ganze auf einer Streckenlänge von scheinbar nicht enden wollenden 800 Metern hoch. Boah, da brennen einem die Oberschenkel bereits beim Anblick. Doch eigentlich müsste ich hier einen Vorteil aufgrund meiner Körpergröße von 171 cm und einem Gewicht von 67 kg haben. Deshalb forciere ich auch und ziehe an eine erst gerade aufgeschlossenen Dreiergruppe vorbei.

Das Streckenprofil bleibt weiterhin wellig und so kam mir nach dem äußerst harten Stück bergauf jede Bodenwelle wie ein Berglauf vor.

Bei Kilometer 9 war dann der Verpflegungspunkt in Sicht, bei welchem uns zum Spaß bei Kilometer 3 Bier angeboten wurde, als niemand auf die Wasser-, Iso- und Apfelschorleangebote antwortete. Bereits von weitem verlangte ich zum Spaß nach einem Bier und hätte deshalb fast nicht mal ein Wasser erwischt.

Wir waren bereits auf dem Rückweg in die Innenstadt. Das Feld hat sich weit auseinander gezogen und ich versuche zu weiter vorne laufende Läufer aufzulaufen.

Als ich einen Blick auf meine Garmin warf, war ich mehr als beruhigt – 10 Kilometer in 41:11 Minuten und die hälfte der Strecke in 43:57 Minuten.

Kurz vor dem 1. Tor zu Altstadt hab ich es dann geschafft und war ein bisschen verblüfft als ich feststellte, dass der Läufer keine Startnummer und Transponder trug. In einem kurzen Gespräch erfuhr ich, dass er zu spät zum Nachmelden kam und deshalb ohne Startnummer mitlaufen sollte (Lob an die Organisatoren).

Als ich das 2. Tor zur Altstadt passiert hatte, wollte ich gerade aus, anstatt links rauf in die Klingenschütt laufen. Dank an dem „Läufer-ohne-Startnummer“ (nachfolgend LOS), der mich zurück piff und mir somit das Rennen quasi rettete.

Obwohl LOS sehr groß und sicherlich 20 Kg mehr auf die Waage bringt, hängt er mich bergauf ab und so lief ich wieder alleine.

Am Startpunkt vorbei sah ich noch meine Familie und meinen Arbeitgeber, der extra für mich als Zuschauer angereist war. Ich rief ihm und meiner Frau noch zu, dass alles nach Plan läuft und ging voll motiviert in die letzte Runde um eine Bestzeit unter 1:30 h zu knacken.

Die Altstadtrunde, auf welcher viele interessenlose Asiaten teilweise sogar im Weg liefen, war für mich aufgrund des Kopfsteinpflasters ein Graus. Ich kann es nicht erklären, zumal ich ja oft in unwegsamen Gelände ohne Probleme unterwegs bin. Aber heute war es eben nicht meins, denn ich vertrat mir gleich mehrfach die Füße,  was für meinen ohnehin leicht schmerzenden Knöchel nicht förderlich war.

Der LOS hat inzwischen zu einem weiteren Läufer aufschließen können, doch ich konnte den Abstand zu ihm nicht weiter verringern. Zu groß war auch die Angst vor einer Tempoerhöhung und der darauf möglich resultierenden Folgen. So trotte ich der Gruppe ewig hinter her, da auch der Respekt vor den bei Kilometer 18 anstehenden Anstieg recht groß ist.

Bei Kilometer 13 kommt mir in den Sinn, dass ich ja Gels dabei habe und werfe noch vor dem Verpflegungspunkt eines ein. Im Nachhinein betrachtet, habe ich durch Zufall genau den richtigen Punkt im Rennen hierfür erwischt. Die Getränkeaufnahme klappt inzwischen auch recht gut. Hat aber auch mit den verwendeten Pappbechern zu tun, die sich einfacher zu Schnabeltasse formen lassen als Plastikbecher (Lob an den Veranstalter).

15 Kilometer waren bereits geschafft und ich fühlte mich frischer als vor einer Woche beim Lauf zur Kappel (10 Km) bei Kilometer 4. Soll nicht heißen, der Halbmarathon sei nicht anstrengend gewesen bisher. Nein, die Müdigkeit war klar zu spüren, aber ich musste nicht zu kämpfen wie in Dürrwangen um die Pace zu halten.

Der Abstand zu den inzwischen zur Dreiergruppe herangewachsenen Gruppe beläuft sich am gefürchteten Anstieg bei Kilometer 18 immer noch auf 20 Meter. Der Anstieg ist nun der absolute Hammer und der Wunsch, auf der Stelle stehen zu beleiben, kommt etwa zur Hälfte in mir auf. Zur Bestrafung wird jetzt die „letzte“ Möglichkeit genutzt und zur Tempoverschärfung zur LOS-Läufergruppe aufgelaufen. Die Aufholaktion glückt, doch kostete sie soviel Kraft, dass ich fast den Ausriss von LOS verpasst hätte.

Es sind jetzt nur noch gut 1,5 Kilometer bis zum Ziel. Mit Aufnahme der Verfolgungsjagd, stand nun mein zweites Ziel fest – vor LOS ins Ziel kommen. Ich hänge mich weiter an ihn ran und überlege, wann ich ihn packen sollte. Da ich noch von der ersten Runde wusste, dass er am Berg stärker ist als ich, musste ich ihn vorher packen. Also Schluss mit dem Hinterherschleichen und Angriff.

800 Meter vor dem Ziel ziehe ich an ihm vorbei und erhöhe gleich das Tempo. Zwar habe ich mit der Tempoverschärfung mein Pulver für einen Zielspurt verbraten, doch darauf will ich es gar nicht mehr ankommen lassen. 400 Meter vor dem Ziel drehe ich mich um und sehe, dass er nicht folgen kann. Ich halte das Tempo bis auf die Zielgeraden und genieße und feire meinen Zieleinlauf zur neuen persönlichen Bestzeit von 1:27:15. Der Zielbogen ist wie ein Hirnscanner, der alles Strapazen des Laufes beim Durchlaufen löscht und gegen Endorphine austauscht.

Nun zur Organisation des Laufes: Der Veranstalter sollte nächste Jahr unbedingt darauf achten, dass für die einzelnen Läufe verschieden farbige Startnummern verwendet werden. Dies würde gleich mehrere Probleme lösen, zum einen hätten es die Streckenposten mit den Weganweisungen einfacher und zum Anderen, würden die Zuschauer und vor allem die Moderatoren sofort erkennen, zu welchem Lauf der jeweilige Läufer auf der Zielgeraden gehört. Denn erst als die ersten beiden Läufer vom Halbmarathon bereits im Ziel waren, wurde dies festgestellt. Das ist nicht nur für den Veranstalter peinlich, sondern vor allem den Leistungen der Läufer ungerecht gegenüber.

Hervorheben möchte ich auch das ganze „drum-herum“, denn das war Top! Crepes-Stand, Bratwurst-Stand, Band, Mega-Rutsche (Lorenz schwärmt jetzt noch),… Für mich eigentlich Schade, dass es „nur“ 104 Starter beim Halbmarathon waren. Ich werde sicherlich nächstes Jahr hier wieder starten.

Sport frei!
Thomas

Ein großes Danke an Jörg Behrendt, der von mir einige klasse Fotos gemacht hat.

Danke natürlich auch an meine Frau für die Bilder und Videos.

Siehe auch:

6 Gedanken zu „Wenns läuft, dann läufts – Rothenburger Halbmarathon 2012“

  1. Hi Thomas,

    Wow 1h:27m, absolut sensationell. Ich habe fest daran geglaubt, dass Du es schaffst. Ich finde es Klasse, dass du dein Ergebnis nicht in der Überschrift des Berichts verrätst sondern erst zum Schluss aufdeckst. das macht das Lesen unglaublich spannend. Deine Frau hat wieder mal ganze Arbeit geleistet und ein perfektes Zielfoto von Dir geschossen.

    Aber du musst uns noch verraten, welchen Platz du belegt hast.

    Jetzt wo du fast alles erreicht hast, was liegt als nächstes an?

    Grüße
    RON

    1. Danke Ron.

      Das geile Foto hat Jörg Behrendt geschossen. Er gestattet mir netterweise, seine Fotos von mir auf meinem Blog zu veröffentlichen. Meine Frau hat aber dafür meinen ganzen Zieleinlauf auf Video aufgenommen.

      Ach ja, es ist eben schon spät. Ich bin Gesamt 12 und in meiner Altersklasse 6 geworden. Also das Läuferfeld war vorne deutlich besser besetzt als letztes Jahr.

      Mein zukünftigen Ziele?!? Naja, eigentlich fehlt jetzt noch der Marathon und ich könnte jetzt in die entsprechende Vorbereitung einsteigen. Aber ich habe mit den Kilometerumfängen noch so meine Probleme. Jörg Behrendt sagte nach dem Lauf zu mir sinngemäß: „Der Motor hat mächtig Power, aber das Fahrgestell ist noch nicht so weit…“

      Also lasse ich das Ganze jetzt erstmal sacken…

      Sport frei!
      Thomas

  2. Thomas – Gratulation zum sehr guten Ergebnis! Insbesondere deshalb, da die Strecke anscheinend nicht flach war sondern gewaltige Steigungen hatte, wie Du es beschreibst! Auf flacher Strecke dürfte für Dich dann locker 1:23 oder gar 1.20 mal möglich sein. Weiter so! Dann darf der Marathon unter 3 Stunden wohl bald kommen 🙂 Sportliche Grüße Paul

  3. Hallo Thomas,

    meinen herzlichen Glückwunsch! Sub40min auf 10km und nun auch die 1:30h über die HM-Distanz geknackt – also mittlerweile avancierst Du wirklich zum echten Läufer. Tolle Entwicklung!

    Da bleibt ja jetzt wirklich nur noch der Marathon. Aber dann direkt in einer sub3:30h, bitte! 😉

    Grüße aus Köln!
    Mario

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